Junge Stadt in alten Mauern
Skizzenbuch: Damen in Luzern, zugeschnitten

Luise Deicher - eine Malerin auf Achse

VERLÄNGERT BIS 31. AUGUST 2020


Drei modisch gekleidete Damen sitzen in einem Café. Bunte Schiffe schaukeln sanft auf den Wellen im Hafen von Palermo. Ferienhäuser laden vor der malerischen schweizer Bergkulisse zur Erholung ein. In lebendigen Skizzen hielt Luise Deicher (1891-1973) ihre Eindrücke in einem Reisetagebuch fest. Sie reiste, vermutlich in Begleitung des Stuttgarter Privatiers Hermann Dreifus, durch das pulsierende Europa der 20er Jahre. Immer im Gepäck dabei: Aquarellfarben und Pinsel. Manche dieser schnellen Entwürfe arbeitete sie später im heimischen Atelier zu Ölgemälden aus.

Skizzenbuch: Hafen von PalmaDie Ausstellung zeichnet die Reisen und das Leben von Waiblingens bekanntester Malerin nach. Kaiserreich, Weimarer Republik, Drittes Reich, Bundesrepublik: Luise Deicher lebte und malte in einer Zeit voller Umbrüche. Neben den Kunstwerken und Skizzen beleuchten zahlreiche persönliche Zeugnisse der Künstlerin ihre Biografie und Familiengeschichte.

Auf eine für uns ganz neue Art wurde die Ausstellung am 20. März eröffnet: per Livestream. Die Videos können Sie auf der städtischen Facebook-Seite noch einmal anschauen: Video 1 und Video 2.

Wir nehmen Sie virtuell mit auf einen Rundgang, hier und auf unseren Social Media-Kanälen (Instagram, Facebook und Twitter).

Rundgang durch die Sonderausstellung

  • Ein Leben für die Kunst

    Luise Deicher war nicht nur eine außergewöhnliche Malerin, auch ihr Leben und ihre Familie verdienen eine genauere Betrachtung. Unsere Ausstellung zeigt deshalb nicht nur Skizzen und Ölgemälde – im ersten Stock der Dauerausstellung haben wir eine komplette Wand ihrer Biografie gewidmet. Im heutigen Video erzählen wir euch von ihren Brüdern, der einzigen Schwester und den Eltern, denen Luise den Besuch der Kunstakademie zu verdanken hatte. Sie alle verbindet eine spannende, aber auch tragische Familiengeschichte.

    🎥Haus der Stadtgeschichte Waiblingen



  • Küstenlandschaft

    Küste_Gemälde_Deicher
    Wo genau Luise Deicher das Motiv für ihr Gemälde fand, wissen wir nicht. Ihr Skizzenbuch enthält auch keine Vorlage. Vielleicht ist es die kroatische Küste, die hier mit kräftigem Duktus und leuchtenden Farben festgehalten wurde. Geschickt lenkt die Künstlerin den Blick der Betrachter über die Felsen im Vordergrund auf das hellere Gebäudeensemble im oberen Bilddrittel: Trotz der flächigen Malweise entsteht eine erstaunliche Tiefenwirkung. Luise Deicher scheint diese Szenerie zwanzig Jahre nach ihrer Reise – leicht verändert – wiederholt zu haben.

    Öl auf Leinwand, undatiert
    Sammlung Haus der Stadtgeschichte, Inv.-Nr. 2020/014
    📷 Peter Oppenländer @oppenlaender_p
    Fotografie, nach 1940
    Privatbesitz

  • Im Hafen von Soller

    Skizzenbuch: Hafen von Soller Besser als auf dem Wasser gefiel es Luise Deicher am Wasser. Ihre vielen Hafenskizzen sind der bunte Beweis dafür. Hier ist es aber nicht der Blick auf Wellen und schaukelnde Boote, der die Künstlerin begeisterte, sondern das Panorama oberhalb des Kais.

    Nach einer stürmischen nächtlichen Überfahrt, von der Luise Deicher notierte, dass ihr „noch nie so elend“ gewesen sei, erreichte sie Mallorca bei strömendem Regen. Die Skizze des Hafens von Soller leuchtet dafür förmlich, keine einzige Wolke trübt den strahlend blauen Himmel.
    Wandgemälde Barcelona_Foto Zwei Jahre später arbeitete Luise Deicher diese Aquarellskizze zu einem Wandgemälde aus, das die Villa von Hermann Dreifus mit sonnigen Reiseerinnerungen schmückte.

    Aus dem Skizzenbuch, 16. November 1925
    Privatbesitz

    Fotografie, undatiert
    Privatbesitz
  • Schiffe im Hafen von Barcelona

    Skizzenbuch: Hafen von Barcelona Heute geht es im Skizzenbuch von Luise Deicher nicht ganz so sonnig zu - kein Wunder, sie hat echtes Herbstwetter gemalt. Vier Tage verbrachte Luise Deicher im November 1925 in Barcelona; sie zeigte sich beeindruckt von der Stadt am Meer, dem pulsierenden Leben unter Palmen. Auch eine Fahrt mit der gerade erst eröffneten Untergrundbahn fand Eingang in ihre Reisenotizen. Luise Deicher fertigte hier die Skizze der im Hafen dümpelnden Fischerboote, bevor sie am nächsten Abend mit dem Dampfer nach Mallorca weiterreiste. Aus dieser Skizze ging 1927 ein Wandgemälde in der Stuttgarter Villa ihres Förderers Hermann Dreifus hervor.

    Aus dem Skizzenbuch, 1925
    Privatbesitz
  • Sommerliche Cafészene

    Costione_Gemälde Deicher_Inv.-Nr. 2020-013 Passend zum sonnigen Wetter zeigen wir euch heute eine ganz besonders sommerliche Cafészene, die Luise Deicher wahrscheinlich in der Schweiz beobachtet hat.

    Auf der Rückseite dieses Gemäldes hat die Künstlerin „Costione“
    vermerkt, eventuell handelt es sich um eine Café-Szene im
    schweizerischen Arbedo-Castione unweit des Lago Maggiore.
    Während der Blick des Betrachters beinahe automatisch auf die Frau im gelben Kleid fällt, wendet sich ihm nur eine Person auf dem Bild direkt zu: Die schwarz gekleidete Dame am rechten Bildrand, halb versteckt hinter einem Baum, scheint den Blickkontakt zu suchen. Das Kleid bis über beide Knie gerafft, ist sie es, die zur genaueren Betrachtung der Szene einlädt.

    Öl auf Leinwand, undatiert
    Sammlung Haus der Stadtgeschichte, Inv.-Nr. 2020/013
    📷 Peter Oppenländer / @oppenlaender_p
  • Bildbetrachtung - mit Kuratorin Kristina Kraemer

    Über Ostern müssen wir leider alle zuhause bleiben. Aber wir nehmen euch trotzdem mit auf einen kleinen Ausflug nach Mallorca, wo Luise Deicher 1925 den Hafen von Palma skizziert hat. Nach ihrer Rückkehr ist daraus ein Ölgemälde entstanden, das etwas aus dem Rahmen fällt - natürlich nicht buchstäblich! Wie es sich von ihren restlichen Werken abhebt, zeigen wir euch im Video. Auf nach Mallorca!

    Aus dem Skizzenbuch/Öl auf Leinwand
    Privatbesitz
    🎥 Haus der Stadtgeschichte Waiblingen

  • Gartencafé in Arth, Schweiz

    Sonderausstellung: Gemälde Arth (Schweiz) Wenden wir uns auf unserem Rundgang nach links: Es geht von Spanien in die Schweiz. Das nächste Bild zeigt eine Szene in einem Gartencafé in Arth.

    Mit schnellen, lebendigen Federstrichen hielt Luise Deicher den Cafébesuch und die anderen Gäste fest. Kühler als auf dem später daraus entstandenen Ölgemälde mutet die Skizze an, in der blau-grünen Palette sticht das kräftige Zinnober der Gartenstühle hervor. Einen Blickanker setzt diezeichnende Beobachterin mit der ganz in gelb gekleideten Dame, die das Zentrum der Komposition bildet. Bemerkenswert: Gerade sie hat dem Betrachter den Rücken zugekehrt.

    Öl auf Leinwand, nach 1925
    Privatbesitz

    📷@oppenlaender_p / Peter Oppenländer


  • Gartencafé in Arth, Schweiz

    Skizzenbuch: Café in Arth Wenden wir uns auf unserem Rundgang nach links: Es geht von Spanien in die Schweiz. Das nächste Bild zeigt eine Szene in einem Gartencafé in Arth.

    Mit schnellen, lebendigen Federstrichen hielt Luise Deicher den Cafébesuch und die anderen Gäste fest. Kühler als auf dem später daraus entstandenen Ölgemälde mutet die Skizze an, in der blau-grünen Palette sticht das kräftige Zinnober der Gartenstühle hervor. Einen Blickanker setzt die zeichnende Beobachterin mit der ganz in gelb gekleideten Dame, die das Zentrum der Komposition bildet. Bemerkenswert: Gerade sie hat dem Betrachter den Rücken zugekehrt.

    Aus dem Skizzenbuch, 1924
    Privatbesitz
  • Schiffe im Hafen von La Palma, Spanien: Gemälde

    Sonderausstellung: Palma Nach dem Blick in das Skizzenbuch sehen wir heute auf unserem Rundgang durch die Ausstellung "Luise Deicher - eine Malerin auf Achse" das Ergebnis: Schiffe im Hafen von Palma, Spanien, als Ölgemälde.

    Der kräftige, flächige Duktus von Luise Deicher bringt das Hafenwasser in Bewegung. Die schaukelnden Boote werfen ihre starken Reflektionen in die Wellen, während sich über ihnen ein trüber Novemberhimmel spannt. Die Künstlerin hat ihre Skizze in diesem Gemälde genauso detailreich umgesetzt, wie sich die Studie in ihrem Skizzenbuch findet. Einzig der Himmel hat einiges an seiner Leuchtkraft eingebüßt.

    Öl auf Leinwand, nach 1925
    Privatbesitz
    📷@oppenlaender_p / Peter Oppenländer
  • Schiffe im Hafen von La Palma, Spanien

    Skizzenbuch: Hafen von Palma Gehen wir weiter zum nächsten Bild unserer Ausstellung "Luise Deicher - eine Malerin auf Achse": Schiffe im Hafen von La Palma, Spanien.
    Der strömende Herbstregen, der Luise Deicher bei ihrer Ankunft in Mallorca empfing, scheint den Himmel über Palmas Hafen strahlend sauber gewaschen zu haben. Trotzdem hat die Szene keine sonnige Anmutung; die Künstlerin hielt einen verhangenen Novembertag außergewöhnlich detailreich fest. Der flächige Farbauftrag, der flüchtig gesetzte Federstrich, die ihre übrigen Skizzen dominieren, fehlen hier. Die Palette ist eingetrübt.
    Aus dem Skizzenbuch, 1925
    Privatbesitz

  • Interview mit der Kunsthistorikerin Dr. Carla Heussler, Stuttgart: Luise Deichers Reisen


    Mit ausreichend Sicherheitsabstand haben wir für Sie die Kunsthistorikerin Dr. Carla Heussler aus Stuttgart vor die Kamera eingeladen, um mit ihr über Luise Deicher und ihre Reisen zu sprechen. Warum da Tischtücher leuchten, Bäume im Goldenen Schnitt stehen und was „leichte Mädchen“ im Café zu suchen haben erfahren Sie im Video!



    PS: uns gefällt das neue Format so gut, dass wir auch gleich noch ein paar Drehs geplant haben. Haben Sie Vorschläge, wie wir unsere neue Filmreihe nennen sollen? Wie wär’s mit „Stadtgeschichte abgedreht“?


  • Dame im Liegestuhl

    Skizzenbuch: Dame im Liegestuhl Luise Deicher beobachtete Alltägliches genau und legte in ihren leichten Strich das Wesentliche einer Szene. Hier blieb ihr Blick an einer jungen Dame im Liegestuhl hängen. Ohne voyeuristisch zu wirken, drückt diese Skizze eine beinahe intime Nähe aus. Wie entspannt die beobachtete Urlauberin die Sonne genießt!

    Aus dem Skizzenbuch, undatiert⠀⠀⠀
    Privatbesitz


  • Dame im Café de Paris, Monte Carlo

    Skizzenbuch: Dame in Monte Carlo Auch ohne den später hinzugefügten Titel "Monte Carlo" versprüht die auffällig gekleidete Dame mondänen Esprit. Opulent gekleidet, die geschürzten Lippen à la mode kirschrot geschminkt, scheint sie zur zeichnenden Betrachterin hinüberzublicken.

    Aus dem Skizzenbuch, undatiert⠀⠀⠀⠀⠀⠀
    Privatbesitz
  • Das Reiseskizzenbuch von Luise Deicher

    Detail: La Marina, Mallorca, 1925 In den 1920er Jahren unternahm Luise Deicher – vermutlich gemeinsam mit ihrem Stuttgarter Freund und Mäzen Hermann Dreifus – zahlreiche Reisen in die Schweiz, nach Frankreich, Spanien (mit Mallorca), Italien sowie nach Österreich und in das spätere Jugoslawien. In ihrem Reiseskizzenbuch schilderte sie mit lebhaftem Strich in Aquarell, Feder oder anderen Techniken mit guter Beobachtungsgabe die lichtdurchfluteten Landschaften des Südens, idyllische Hafenansichten mit auf dem Wasser treibenden Schiffen sowie die mondänen Cafés der Städte. Diese ausgedehnten Reisen waren für die 1920er Jahre insbesondere für eine Frau außergewöhnlich und Beleg für die neu gewonnene Freiheit von Künstlerinnen.

    Aquarell, Bleistift, Rötel und Tinte auf Papier, 1920er Jahre
    Privatbesitz
    Sonderausstellung: Skizzenbuch Skizze eines Bauernhauses in Aarau, Schweiz, 1925



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